Fugen ausgewaschen, Fugen schimmlig, Fugen schmutzig?

Warum sind die Plättli-Fugen leer?

Autor: Reto Hänni

Zuerst mal was bedeutet überhaupt Fuge?
Zuerst mal was bedeutet überhaupt Fuge? Die Fuge ist ein schmaler Zwischenraum zwischen zwei Bauteilen. Übertragen auf unsere Tätigkeit bedeutet das der Zwischenraum zwischen zwei Keramikplatten. Die Mindestfugenbreite zwischen 2 Platten sollte an der schmalsten Stelle 2mm betragen, das ist in der SIA Norm so geregelt. Das hat verschiedene Gründe, zum einen wird in der Fuge die Masstoleranzen der gebrannten Keramik aufgenommen, zum anderen werden in Fugen Spannungen des ganzen Belages abgebaut. Nach dem Verlegen der Plättli werden die Fugen verfüllt und wie wir im Fachjargon sagen ausgefugt.

Silikonfuge Innenecke,
verwendet bei Materialwechsel als Dehnfuge

Es gibt grundsätzlich 3 Möglichkeiten von Fugentypen:

  • Zementfuge, ist ein mineralisches Fugenmaterial, die Mischung besteht aus Zement, Quarzsand und verschiedenen Zuschlagsstoffen. Die Zementfuge ist das gebräuchlichste Material, das Material wird in einer Trockenmischung hergestellt und in Säcken verkauft, bei der Verarbeitung wird nur noch Wasser zugefügt. Das aufgebrachte Material kann auch wieder mit Wasser nach- oder abgewaschen werden.

 

  • Epoxyfuge, ist ein Material auf Kunstharzbasis. Die Mischung besteht aus Kunstharzen und Quarzsand, das Material wird an hochbelasteten Stellen eingesetzt. Der grösste Vorteil ist sicher, dass das Material beständig gegen die meisten Säuren ist. Zum Einsatz kommt es an Orten mit einer hohen Wasser und Säurebelastung. Typischer Ort für die Verarbeitung sind zum Beispiel Grossküchen. Das Epoxy-Fugenmaterial wird in 2 Komponenten ausgeliefert. Harz und Härter werden unmittelbar vor der Verarbeitung gemischt. Die Reinigung nach der Verarbeitung ist bedeutend aufwändiger.

 

  • Silikonfuge, ist ein chemisch hergestelltes Produkt aus Silicium, wegen seiner hohen Elastizität wird es eingesetzt als Bewegungsfuge, überall dort wo hohe Bewegungen erwartet werden. Anschlüsse zwischen Boden und Wand oder andere Bauteile. Das Material wird in Kartuschen ausgeliefert und mit einer Spritzpistole in die Fugen eingepresst.

Das schwächste Glied
Alle 3 Fugentypen sind das schwächste Glied in einem Plattenbelag, in der Fuge wird leider nicht die gleiche Materialdichte erreicht, wie ein Plättli hat. Somit kann sich der Schmutz speziell gut in einer Fuge absetzen. Hinzu kommen chemische und mechanische Einflüsse auf einen Plättlibelag. Zuerst wird immer das „schwächste Glied“ angegriffen.

Ausgewaschene Fugen:
Ein fast alltägliches Bild unserer Reparatur-Abteilung sind ausgewaschene oder sogar leere Fugen. Dabei hat sich das Fugenmaterial scheinbar in Luft aufgelöst. Wie von Geisterhand hat sich das Material verabschiedet und die Spalten zwischen den Plättli sind wieder sichtbar. Das Phänomen ist jetzt jedoch leicht zu erklären. Das Fugenmaterial an dieser Stelle war mineralisch, das heisst auf Zementbasis. Dazu muss man wissen, dass das Ausgangsprodukt von Zement ein Kalkstein ist. Also, sobald die Kalkablagerungen auf den Sanitärarmaturen und auf dem Wandbelag entfernt werden sollen, greifen wir zur Flasche mit einem säurehaltigen Reiniger. Wir entfernen jedoch nicht nur den Kalk auf der Wand, sondern halt eben auch den Zement in der Fuge. Ausgewaschene Fugen sind das Resultat. Langsam aber sicher wird die Struktur der Fuge zerstört, bis die Fuge dann schlussendlich ganz weg ist. Der Verursacher und der schnellste Fugenfresser sind Produkte mit einem zu hohen Säuregehalt aus den Supermärkten. Der zweite Fugenkiller ist, dass säurehaltige Reinigungsmittel direkt auf trockenen Fugen aufzutragen. Egal welches Produkt Sie anwenden,  zwingend sollten die Fugen vorgenässt werden. Noch besser besorgen Sie sich einen verträglichen Entkalker wie zum Beispiel PUROLITH 07 und Sie haben keine ausgewaschenen Fugen. Sind die Fugen tief genug ausgewaschen, können diese jedoch auch wieder problemlos nachgefugt werden.

Typisches Bild von ausgewaschenen Fugen,
verursacht von sauren Reiniger.

 schimmlige Zementfugen
im Spritzwasserbereich

Schimmlige und schmutzige Fugen:
Sind die Fugen nicht ausgewaschen, gibt es auch das gegensätzliche Phänomen, schimmlige oder schmutzige Fugen. Durch die Oberflächenstruktur der Fuge, die unter der Lupe ausschaut wie ein Schleifpapier, kann sich wunderbar darauf Schmutz ablagern. Vor allem Fette sind nur noch schwer zu entfernen. Problemzonen sind sicher Bodenfugen in der Küche, wo so richtig das Fett spritzt. Aber auch im Spritzwasserbereich in Dusche und Bad. Die Seifenrückstände kleben so richtig schön auf den Fugen und es entstehen schimmlige und schmutzige Fugen. Je nach Eindringtiefe und Alter des Schimmels oder der Verschmutzung kann das mit einem Fugenreiniger wieder gereinigt werden. Tragen sie einen geeigneten Zementfugen-Reiniger auf, zum Beispiel PUROLITH 10. Nach einer Einwirkzeit von einigen Minuten kann mittels einer Fugenbürste die schimmlige oder schmutzige Fuge wieder sauber gemacht werden. Bei ganz schwierigen Fällen kann die Fuge auch ausgefräst oder ausgekratzt werden und wir anschliessend wieder neu verfugt.

2017-10-05T10:29:55+00:00 3 Oktober, 2017|Fachbeiträge|