Wie gross ist GROSSFORMATIGE Keramik?

Sind sie viel schneller mit verlegen, wenn die Platte so gross ist?

Autor: Reto Hänni

Für die Verlegung sind immer
2 Plattenleger notwendig

Warum in vielen Köpfen diese Vorstellung „rumgeistert“ und warum das nicht so ist, lege ich gerne dar.

Zuerst sollten wir mal die Definition von grossformatiger Keramik anschauen.
Gemäss Merkblatt des Schweizerischen Plattenverbandes, das zur Verständigung ausgearbeitet wurde, bedeutet grossformatige Keramik alles was die Plattenfläche von 3000cm2 überschreitet oder mehr als eine Seitenlänge von 70cm hat.

Anhand von einem Beispiel bedeutet dies, eine Platte von 60cmx60cm =3600cm2 erreicht bereits das Prädikat Grossformat, das Gleiche gilt für eine Platte wie z. B. ein Parkettimitat Grösse 15cmx120cm=1800cm2, da ist nicht die Fläche sondern die Seitenlänge ausschlaggebend.

Das Entscheidende ist vor allem für diese Definition, dass die Untergründe spezielle Beachtung brauchen, so ist für Wandbeläge ein Zementgrundputz gefordert, der eine Druckfestigkeit grösser als 6N/mm2 erreicht. Das Augenmerk in diesem Artikel liegt jedoch auf ganz grossen Platten, wie Formate z.B. 1.20mx3.00m, die stellen an die Vorarbeiten und die Verlegung besonders grosse Anforderungen.

Ist die Beförderung der riesen Platten am Verarbeitungsort überhaupt möglich?
Um das Material an den Verwendungsort zu bringen, sollten die Zugangsmöglichkeiten gegeben sein, sind die Türöffnungen genug gross, kann man im Treppenhaus das Material transportieren, bei Wendeltreppen ist z.B. kein durch kommen möglich.

Platzverhältnisse
Ein weiterer Punkt, der zu beachten gilt, sind die Platzverhältnisse am Einsatzort. Das Material wird in Holzverschlägen verpackt angeliefert, aus Gewichtsgründen kann also nur mit einem Kran abgeladen werden. Weiter sollte für die Lagerung der Kisten mit Inhalt genügend Platz zur Verfügung stehen, mit der Lagerung alleine ist es noch nicht getan. Für die Bearbeitung, respektive den Arbeitstisch, benötigt man nochmals die gleiche Fläche. Für die beschriebenen Platten braucht es einen Platz oder Raum von ca. 6.00×6.00m.

Im Freien die Platten zu lagern und zu bearbeiten empfiehlt sich aus eigener Erfahrung gar nicht, sobald Feuchtigkeit zwischen die Platten gelangt, kleben diese wie ein Vakuum zusammen und sind kaum noch voneinander zu entfernen. Alternativ ist es auch möglich, die Platten in der Werkstatt zu lagern und zu bearbeiten, jedoch sind die Masse auf der Baustelle zu nehmen und in der Werkstatt umzusetzen, was auch einen höheren Aufwand für Reisezeit und Transporte bedeutet.

Untergründe
Die nächsten Schritte, die unbedingt beachtet werden sollten, sind die Genauigkeiten der Untergründe. Für die Aufnahme der grossformatigen Platten reichen die Toleranzen nach SIA für die jeweiligen Gewerke nicht aus. Es ist notwendig, einen exakten Untergrund zu erstellen, zusätzliche Massnahmen, wie nivellieren, schleifen und ausplanieren ist vorzusehen. Bei feuchtigkeitsempfindlichen Untergründen und auf Grund der ungünstigen Trocknungsbedingungen unter den grossen Platten sind eventuell Reaktionsharzgrundierungen nötig. Leider können wir auch trotz der schönen grossen Platten auch nicht auf Bewegungsfugen verzichten, da gelten die gleichen Bestimmungen der Feldbegrenzungsfugen und Dilatationsfugen, wie bei herkömmlichen Formaten.

Bei der Verlegung der Platten ist es unumgänglich zu zweit zu arbeiten, es sind also immer 2 Plattenleger zusammen beschäftigt, aufgrund des Handlings und des Gewichts. Es dürfen nur Kleber mit schneller kristalliner Wasserbindefähigkeit verwendet werden. Durch die wenigen Fugen kann kaum Feuchtigkeit entweichen und somit würde der Kleber kaum abtrocknen.
Spannend sind auch die Werkzeuge, die zum Einsatz kommen. Sämtliches herkömmliches Plattenleger Werkzeug kann nicht verwendet werden. Es braucht zur exakten Verarbeitung alles Werkzeug in XXL Format und Spezialwerkzeuge, das geht bei der Schnittvorrichtung los und endet beim massgefertigten Arbeitstisch.

Auch bei grossformatigen Feinsteinzeugplatten sollte die Oberfläche erstmalig vor Übergabe des Werkes abgesäuert werden, lesen Sie dazu auch den Artikel Feinsteinzeug absäuern

Zusammenfassend gesagt:
Also Feinsteinzeug in Grossformat ist traumhaft schön, hat einen geringen Fugenanteil, einsetzbar auf Wänden und Böden, ausser im Industriebereich, Gestaltungsmöglichkeiten ohne Grenzen, einfach traumhaftes Material. Die Anforderung an den Verarbeiter und ans Portemonnaie des Kunden sehr gross, so gross ist Grossformat!

Spezial Hebewerkzeug XXL

2017-02-02T13:18:17+00:00 1 Februar, 2017|Fachbeiträge|